Africando All Stars

Betece

EXIL MUSIK 9766-2
LC 08972

DISTRIBUTION: INDIGO


Afrikas führendes Salsa-Orchester toppt, was von Rechts wegen überhaupt nicht mehr zu toppen ist. Nach einer Serie von vier Erfolgsalben und Megahits wie "Yay Boy" und "Aicha" mobilisiert AFRICANDO-Mastermind Boncana Maiga diverse Sänger aus der Internationalen des Afropop, darunter Salif Keita, Lokua Kanza, Koffi Olomide und Thione Seck. Mit dieser veritablen All Star-Mannschaft und erstklassigem Songmaterial übertrifft die bei Salsafans äußerst beliebte Formation auf BETECE noch einmal die allerkühnsten Erwartungen.

Wie eine Rakete schoss BETECE im Dezember 2000 aus dem Nichts auf die Pole Position der Europäischen World Music Charts. Eigentlich kein Wunder, ist die Band doch seit ihrer Gründung vom Erfolg verwöhnt. Dennoch mochte sich manch einer nach ihrem letzten Coup "Baloba!" mit der bei Tänzern geschätzten Salsaversion von Khaleds Hit "Aicha" die Frage gestellt haben, wie jenes Album von 1998 noch zu übertreffen sei. Hier ist die klingende Antwort: AFRICANDOs fünfte Studioproduktion präsentiert 13 mitreißende Salsanummern - von Malis Maestro Boncana Maiga professionell und ideenreich arrangiert, immer hart am Latin-Puls (fest verwurzelt im kubanischen Oriente, zugleich aufgepeppt mit urbanem Salsaswing aus New York) und frischweg reafrikani-siert von einer sensationellen Sängerriege, bei der allein das Namedropping aufhorchen lässt. Das Schönste daran: der Schein trügt nicht. Was drauf steht ist auch drin. Die Sänger überzeugen durch die Bank mit erstklassigen Darbietungen. Nicht eine einzige Nummer unterschreitet das insgesamt sehr hohe Niveau dieser Produktion.

Aber ist AFRICANDO überhaupt eine richtige Band oder nur ein ambitioniertes Studio-Projekt? Wer gehört eigentlich zum Kern der aktuellen All Star Formation, die bereits auf ihren letzten Alben so illustre Gäste wie Roger "Shoubou" Eugène von Haitis erfolgreichster Band, der Tabou Combo, und Laba Sosseh präsentierte? (Sosseh war der erste Salsero aus Westafrika, der schon vor zwei Jahrzehnten den Sprung über den Atlantik gewagt hatte, um in New York für Roberto Torres' SAR-Label Schallplatten aufzunehmen.)

Nun, die Cover der ersten beiden AFRICANDO-Alben "Trovador" und "Sabador (Tierra Nacional)" zierten drei Sänger aus dem Senegal: Pape Seck, Medoune Diallo und Nicolas Menheim. Zwei von ihnen hatten sich in Dakar bereits einen Namen gemacht: Seck als Sänger bei Number One De Dakar, Diallo beim Orchestra Baobab, einer der einflußreichsten Afro-Latino-Bands der 70er Jahre. Mindestens ebenso interessant sind allerdings die Hintermänner dieser Formation. Als musikalischer Leiter und Arrangeur von AFRICANDO hatte Boncana Maiga von Anfang an die Fäden in der Hand. Maiga wiederum arbeitet Hand in Hand mit dem senegalesischen Producer Ibrahim Sylla. In der Pariser Weltmusikszene kommt kaum ein Künstler an Maiga und Sylla vorbei. Die beiden sind schlicht die erfolgreichsten afrikanischen Musikmacher aller Zeiten.

 

Brückenschlag von Afrika über Paris zur Salsahauptstadt New York

1992 erfüllte sich Maiga endlich einen lang gehegten Traum. Der Mann hatte zwischen 1963 und 1973 zehn prägende Jahre in Kuba verbracht, jammte auf der Zuckerinsel mit namhaften Musikern und gründete mit den "Maravillas De Mali" sogar sein eigenes Salsaorchester in Havanna. Seit dieser Zeit gehört seine große Liebe dem Son Cubano. Mit Seck, Diallo und Menheim hatte Maiga endlich drei Aficionados gefunden, die wie er hoffnungslos dem Salsa-Sound verfallen waren und nur darauf warteten, dem seinerzeit etwas schwächelnden Afro-Latino-Groove neues Leben einzuhauchen. Der Brückenschlag von Afrika über Paris zur Salsahauptstadt New York, sowie das Prinzip, Gastmusiker vom Schwarzen Kontinent und der Karibik zu integrieren, waren von Anfang an zwei wesentliche Charakterzüge dieses musikalischen Unternehmens. Beides zusammen trug maßgeblich zu dessen Gelingen bei. Nicht immer verderben viele Köche den Brei.

Der Verbindungsmann in den USA hieß Ronnie Baro. Dieser in New York geborene Sänger kubanisch-puertoricanischer Abstammung hatte sich längst einen Namen in der Latin-Szene gemacht, als ihn seine mit Maiga verheiratete Halbschwester zu sich in die Elfenbeinküste einlud. Hier, in der Metropole des Afropop hatte Maiga nach der Rückkehr aus Kuba seinen neuen Produktionsstandort aufgebaut. Damals allerdings lag eine Zusammenarbeit zwischen den beiden noch in weiter Ferne. Baro verfolgte auf dem Höhepunkt des US-Salsabooms seine eigene Karriere. Zehn Jahre lang war er der Leadsänger vom Orchesta Broadway. "Danach ging ich zur Típica Novel, mit der ich immer noch auftrete. Ich sang außerdem mit José Fajardo und arbeitete als Chorist für Ray Barretto. Doch 1992 rief mich mein Schwager an und bat mich, in New York eine Hand voll Musiker zu organisieren. Also trommelte ich Yayo El Indio, Adalberto Santiago, Bobby Allende, Papo Pepín und Sergio George zusammen." Der Ruhm dieser hochkarätigen Musiker aus Fania All Star-Zeiten war längst bis nach Afrika gedrungen. Nur Pianist Sergio George war damals noch eine unbekannte Größe. Inzwischen aber hat der schwarze Puertoricaner die New-York-Salsa revolutioniert, produzierte die Erfolgsalben unzähliger Stars von La India bis Marc Anthony und hob schließlich sein eigenes Projekt DLG ("Dark Latin Groove") aus der Taufe, das Rumba, Reggae und Rap verschmolz. Kaum ein anderer Musiker tat in letzter Zeit mehr für einen zeitgemäßen Latinsound. Als Klangdesigner und Komponist spielte er für DLG eine ganz ähnliche Rolle, wie Boncana Maiga für AFRICANDO.

 

AFRICANDO bedeutet "Vereintes Africa"

Die AFRICANDO-Aufnahmesessions in New York zeitigten neben vielen Coverversionen (darunter so bekannte Songs wie "La Bamba" und "Moliendo Café") auch den Salsa-Smash-Hit "Yay Boy". Das senegalesische Stück wurde ursprünglich von Pape Seck mit Number One De Dakar eingespielt. Den Linernotes auf "Sabador" zufolge basiert es auf einem Original von Ismael Rivera, das aber keiner mehr kennt. Jedenfalls interpretieren mittlerweile diverse Latino-Musiker "Yay Boy" - zuletzt das legendäre Orchesta Aragón au Kuba. Der Titel bedeutet "Meine Mutter" in der Sprache der Wolof, einem Volk im Senegal, dem auch Youssou N´Dour angehört. "Die Sprache hat gewisse Ähnlichkeiten mit Spanisch", bemerkt Ronnie Baro. Diese sprachliche Affinität schlug sich auch im Namen der Band nieder. AFRICANDO bedeutet auf Wolof "Vereintes Africa", klingt aber auch im Spanischen nach "Afri-Canto", was sich mit 'Afrika singt' assoziieren lässt. Zudem imitert das Wort die spanische Verlaufsform und deutet somit eine Aktion an - z.B.: 'nach Afrika gehen', oder 'etwas wie ein Afrikaner tun' - natürlich auch: 'afrikanisieren'. Das macht Sinn, denn: "Die Beziehungen zwischen Afrika und Kuba sind deshalb sehr eng, weil die Fundamente der kubanischen Musik nun mal in Afrika liegen." Soweit Baro. Aber selbst der ist über den heftigen Impakt der kubanischen Musik auf dem Mutterkontinent erstaunt. "Man kann es fast eine umgekehrte Diaspora nennen. Salsa wird sozusagen zurückgeführt und recycelt." Nachdem Pape Seck am 2. Februar 1995 an Krebs starb öffnete Maestro Maiga das Line-Up der Gruppe. Für den Mann mit der unnachahmlichen rauhen Stimme rückten auf Album No. 3 "Gombo Salsa" Ronnie Baro, Benins Salsaveteran Gnonnas Pedro (der in den 60er Jahren mit seinen "Panchos De Cotonou" die kubanische Musik an der ehemaligen "Sklavenküste" populär machte) und Roger "Shoubou" Eugène von Haitis berühmter Tabou Combo zu ständigen festen Mitgliedern auf.

Für AFRICANDOs fünftes Album gelang es Boncana, einige weitere Koryphäen des Afropop zu gewinnen: Salif Keita, Lokua Kanza und Koffi Olomide sind da nur die allerprominentesten Gäste, die Betece Stimme und Profil geben. Denn auch Sänger wie der talentierte Thione Seck und der begnadete Sekouba Bambino Diabate haben sich in den vergangenen Jahren über ihre Heimat Westafrika hinaus einen Namen gemacht. Bambino etwa war bereits auf "Gombo Salsa" und "Baloba!" zu hören, trat mit seiner eigenen Formation 1998 beim WOMAD-Festival in Reading bei London auf und tourte 1999 durch Deutschland. Sein exzellentes Album "Kassa" (Stern's STCD 1074) war eines der Afropop-Highlights des Jahres 1997. An die Stelle von Nicolas Menheim, der nach "Baloba!" die Gruppe verließ, ist damit nun auch Bambino in die Stammbesetzung von AFRICANDO integriert. Verbleibt als einziges Gründungsmitglied Medoune Diallo. Der frühere Sänger des legendären senegalesischen Orchestra Baobab eröffnet BETECE mit dem außerordentlichen "Mandali". Ein Afro-Klassiker: 1969 war dieses Lied ein Hit der Super Eagles aus Gambia, die sich später Ifang Bondi tauften. Und diese Gruppe gehörte in ihrer Zeit schlichtweg zur Avantgarde des Afropop.

Mit seinem auf Swahili gesungenen und äußerst gelungenen Ohrenschmeichler "Miye Na We" beglückt der kongolesische Barde Lokua Kanza das Publikum. Der unvergleichliche Sänger und Komponist spielte unter anderem Gitarre bei Queen Abeti, komponierte die Hits für Papa Wembas Meilensteinalbum "Emotion" und sang mit Brasiliens Shooting Star Chico César im Duett. Diverse HörerInnen erklärten seinen hymnischen Beitrag auf Betece mit dem für Kanza so typischen Chorus spontan zu ihrem Lieblingssong.

Aber auch Salif Keita - die "Goldenen Stimme Afrikas" - wird seiner Ehrenbezeichnung einmal mehr gerecht mit seiner brandneuen Fassung eines weiteren Afro-Oldies. Bereits 1973 hatte er die Originalversion von "Ntoman" mit den Ambassadeurs in Mali eingespielt. Hier verpasst ihr Boncana ein Arrangement, das Keita die Gelegenheit gibt, seine Qualitäten als afrikanischer Sonero unter Beweis zu stellen.

Koffi Olomide war der erste Afrikaner, der die 20 000 Plätze im Palais de Bercy, Paris vollständig ausverkaufte. Der Megastar aus Kinshasa mit seinem sonoren Organ steuert hier den Titel "Mopao" bei. DasCharanga-Arrangement aus Violinen und Flöte erinnert an den typischen kubanischen Salon-Orchester-Sound von Maigas "Maravillas De Mali".

Auch Thione Seck, einer der besten Sänger Senegals, wie Diallo ein Baobab-Veteran und längst Chef seiner eigenen Gruppe Raam Daan, überzeugt auf "Sey" mit einer vibrierenden Darbietung, der allerdings Sekouba Bambinos "Sonfo" in nichts nach steht. Der entpuppt sich mit diesem moralisierenden Titel als Salsa-Griot erster Güte. Der Sänger Bally Spinto von der Elfenbeinküste war bisher selbst für viele Kenner ein unbeschriebenes Blatt, ebenso wie Amadou Balake aus Burkina Faso, dem die besondere Ehre zuteil wird, dem Titelstück "Betece" seine Stimme leihen zu dürfen.

Langjährige Salsa-Aficionados wissen besonders die Begegnung mit Hector Casanova zu schätzen. Casanova war Sänger bei Puerto Ricos legendärer Gran Combo und Gesangs-Partner von Johnny Pacheco beim Fania Label. Der Titel "Pepita" stellt schon im stimmungsvollen Intro Maigas Arrangierkünste unter Beweis. Auch in diesem Titel bleibt jederzeit das afrikanische Flair spürbar. Deutlich zeigt sich: das "Afrikanische" an AFRICANDO - es ist keine Chimäre, sondern eine Repertoire an Stilfiguren, die sich sogar in Hectors Gesang manifestieren.

Ein Wiederhören gibt es mit Shoubou, der bereits auf "Gombo Salsa" brillierte und auf "Baloba!" Edith Piafs berühmten Chanson "La Vie En Rose" salsafizierte. Für Betece nahm sich der haitianische Sänger einen weiteren Klassiker zur Brust. Der stammt diesmal allerdings aus der Karibik und sorgte seinerzeit ob seines frivolen Inhalts für Furore: "Scandalo" beruht auf dem Ska "Shame And Scandal In The Family", der 1965 unter anderem von Peter Tosh and The Wailers interpretiert wurde. Die delikate Story: Sohn fragt Vater, ob er ein gewisses Mädchen heiraten kann, worauf dieser erwidert, auf keinen Fall, sie sei nämlich das Ergebnis eines Seitensprungs und damit seine (Halb-)Schwester, was aber seine Mutter nicht wissen dürfe. Darauf wendet er sich an seine Mutter, die ihn beruhigt, er könne das Mädel auf jeden Fall heiraten, weil sie dem untreuen 'Papa' ihrerseits Hörner aufgesetzt habe und der infolgedessen gar nicht sein wahrer Erzeuger sei.

Abgerundet wird Betece von "Doni Doni", das nochmals die aktuelle Basisbesetzung der Gruppe vereint. In Bambara bedeutet der Titel "Stück für Stück" oder "Schritt für Schritt" - (... "baut der Vogel sein Nest", etc.). Der Titel gibt der Hoffnung Ausdruck, dass der Kontinent langsam aber sicher einer besseren Zukunft entgegen sehe - mit mehr Demokratie, weniger Korruption und Vetternwirtschaft. Man hört es nicht, aber auch dieser Song hat bereits drei Jahrzehnte auf dem Rücken: erstmals wurde er 1971 vom Orchester Bembeya Jazz aus Guinea bei einem Staatsakt aufgeführt: anläßlich der Einweihung des Palais Du Peuple in Conakry.

AFRICANDO sind zurück! Und auf Betece klingen sie stärker, farbenfroher und zugleich afrikanischer denn je. Die Musik der Band vereint zwei Fangemeinden, die ansonsten weitgehend getrennt voneinander existieren - die Afro- und die Salsaszene. Mit dieser genialen, aber auch in der Natur der Sache liegenden "Fusion" hat AFRICANDO-Mastermind Boncana Maiga zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Jedenfalls hat die Formation bereits mit ihren bisherigen Alben weltweit ein nie gekanntes Interesse für Salsa aus Afrika geweckt. Das größte Verdienst der multinationalen Bandprojektes besteht daher schon heute darin, die "Salsa Africana" als eigenständiges Sub-Genre auf die Landkarte der tropischen Musik gesetzt zu haben. Nun erweitern einige der erfolgreichsten afrikanischen Sänger den harten Kern von AFRICANDO. Eine ähnlich gigantische Zusammenkunft afrikanischer Sangesbrüder für ein einzelnes Album gab es zum letzten Mal 1994 auf Manu Dibangos "Wakafrika" zu bestaunen. Und tatsächlich kommt die Formation in dieser wahrhaft alle nationalen und ethnischen Grenzen überschreitenden Extra-Large-Besetzung ihrem ursprünglichen Konzept näher denn je: AFRICANDO - "Vereinigtes Afrika".

 

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