EXIL MUSIK presents artists from around the DISSIDENTEN 2010world
EXIL Musik, Label und Musikverlag der Dissidenten, wurde 1983 gegründet und 1994 auch für andere Künstler (z.B. Rimitti, Geoffrey Oryema, Africando, Miriam Makeba und Wagner Pá geöffnet. Seit vielen Jahren operiert EXIL im globalen Netzwerk, unter anderem als deutscher Partner der Labels PUTUMAYO WORLD MUSIC, CUMBANCHA, SIX DEGREES Records und BLUE JACKEL ENTERTAINMENT /// EXIL Musik is an independent record label and music publisher founded in 1983 and still owned by Dissidenten. In 1994 Exil began to release selected albums by international artists such as Rimitti, Geoffrey Oryema, Miriam Makeba or Africando. EXIL is also the german partner for jazz- and worldmusic labels PUTUMAYO WORLD MUSIC, CUMBANCHA, SIX DEGREES Records, and BLUE JACKEL ENTERTAINMENT.

EXIL Neuheiten & Neuigkeiten
 

Cumbancha presents: Joe Driscoll & Sekou Kouyaté

driscoll Monistic Theory

Eisenlunge triff Harfen-Hendrix
(27.05.2016)

Die ehrwürdige Stegharfe Kora im Wechselspiel mit der Loopstation, Jahrhunderte alte Griot-Tradition im Schulterschluss mit der Street Culture und Urban Poetry des 21. Jahrhunderts: Das ist keine Partnerschaft, die unbedingt auf der Hand liegt. Doch bei diesen beiden fügen sich die vermeintlich gegenseitigen Pole wie Zahnräder zusammen. Nach ihrem grandiosen Debüt Faya von 2014 (Platz 2 der Weltmusikcharts) meldet sich eines der packendsten Pärchen der aktuellen Global Music zurück: Der schillernde Griot Guineas Sekou Kouyaté und der New Yorker Beatboxer und Songwriter Joe Driscoll haben mit Monistic Theory ihre aus zwei Klangwelten entstammende Philosophie noch schlüssiger zu einem gemeinsamen Ganzen gebündelt: Der „Jimi Hendrix der Kora“ trifft auf den „Gangsta mit der Eisenlunge“. In neun Studio- und einem Live-Track zeigen Joe und Sekou, wie sie sich in den wenigen Jahren ihrer Bekanntschaft zu einem verschworenen Team entwickelt haben. Da wäre der mitreißende Opener „Tamala» der sich aus dem ruhigen Flussrauschen zu einem funkig verzwirbelten Instrumentalhit mausert. Von rockigem Widerhall mit einem Touch Reggae ist der Titeltrack gesegnet, in dem sich die lyrisch leuchtende Griot-Stimme Kouyatés mit den harschen Realitäten des Conscious Raps von Driscoll abwechseln. Gerade von diesem wunderbaren Kontrast auf vokaler Ebene leben viele der Stücke, in denen clever von afrikanischen Traditionen zu HipHop, und wie in „Wama», auch mal zu einem spacig-psychedelischen Dub die Hebel umgelegt werden. Und dann wären da natürlich noch die atemberaubenden Kora-Soli, bei denen Kouyaté vermehrt auf Naturbelassenheit setzt, ohne die Effektgeräte allzu sehr zu strapazieren. Als Bonbon haben sich Joe und Sekou etwas ganz besonderes einfallen lassen: In der Auslaufsspur der CD wartet eine Liveversion von Stevie Wonders Überflieger „Master Blaster», der hier ganz instrumental zu einem feinen Offbeat-Monster wird. Ihre Theorie, das alles einer großen, übergeordneten Einheit angehört, haben der guineische Saitenzauberer und der amerikanische Street Culture-Freak mit einer akustischen Beweisführung belegt. Ihr zweites Werk trinkt aus dem Erdreich zweier Kontinente, aber spricht die Sprache einer neuen Welt.

 

Cumbancha presents: Lakou Mizik

lakouWa Di Yo

Haitis kraftvoller Hoffnungsstrahl
(27.05.2016)

Wa Di Yo - "Sagt ihnen, wir sind immer noch hier!" Diese drei Silben stehen für den Glauben an die Zukunft in einem gebeutelten Land. Nach der großen Erdbebenkatastrophe vom 12.1.2010 lag Haiti darnieder, die Wunden heilen nur langsam. Doch die Geschichte der neun Musiker von Lakou Mizik liest sich wie ein Protokoll unbezähmbaren Lebenswillens, eine Anleitung zur Auferstehung. Gegründet vom Gitarristen Steeve Valcourt, dem Sänger Jonas Attis und dem amerikanischen Filmer Zach Niles (bekannt durch seinen Film über Sierra Leone's Refugee All Stars) bündelt die Supergroup  herausragende Talente verschiedener Generationen aus der Songwritingszene und der Rara-Straßenmusik, aus dem Voodoo-Drumming und dem haitianischen Gospel. So wird sie selbst zu einem Lakou, einem Kraftort, wie sie die Voodoo-Kulte kennen. Unter der Regie des Montrealer Chris Velan und des Briten Iestyn Polson (David Bowie, Patti Smith) schaufeln die Musiker in ihren optimistischen, ausgelassenen, berührenden und auch mal bissigen Songs Haitis kulturelle Zukunftsperspektive buchstäblich aus den Trümmerhaufen. Voodoo-Rhythmen treffen auf lebhafte Call-and-Response-Gesänge, untermalt vom lupfigen Akkordeon, das mitten aus einem Pariser Bistro entsprungen scheint. Komplexe Basslinien und verzahnte Gitarrenriffs vermählen sich mit den kehligen Attacken der Rara-Hörner. Und über alldem liegen die sonnigen bis kernigen Vokalspuren, deren Lyrics nicht nur von Party künden, sondern durchaus gesellschaftskritische Zähne zeigen. Viele traditionelle Songs, die Lakou Mizik hier aufgreifen, haben sie weiterentwickelt, mit aktuellen Versen versehen. Seelenvoll, tanzbar und engagiert zugleich ist das Resultat - und hundertprozentig haitianisch. Lakou Mizik laden nun den ganzen Planeten ein, die historische Tiefe, emotionale Stärke und die vielschichtige, lebendige Kultur ihrer Heimat zu erkunden.
 

Six Degrees & Exil present: ZMEI3

zweiRough Romanian Soul

Seelenfutter aus Draculas Nachbarschaft

(27.05.2016)

Trotz des weltweiten Balkan Beatz-Booms in den Clubs hat in Osteuropa auch die archaische Schicht seelenvoller Sounds überlebt. Das gilt besonders für Rumänien, wo in den unzugänglichen Bergen Transsylvaniens immer noch unentdeckte Musikschätze schlummern. Das Quartett ZMEI3 (sprich: zmey-trey) ist einen Steinwurf von Draculas Schloss entfernt in die Tiefen der transsylvanischen Überlieferung vorgedrungen, um sie in bisher noch nicht gekannter Weise mit Blues, Soul, Jazz und Avantgarde zu verkuppeln. Der Rough Rumanian Soul der rumänisch-deutschen Band ist möglicherweise die berührendste Musik mit Ost-Roots, seit die Taraf de Haidouks international auf den Plan getreten sind.

Im Zentrum steht die Gänsehautstimme des ehemaligen Opernsoprans Paula Turcas, um die herum der mit Folkmusik aufgewachsene Miahi Victor Iliescu seine Gitarreneskapaden zwirbelt. Zu den beiden Rumänen kommen Vibraphonist Oli Bott und Arnulf Ballhorn am Bass hinzu, zwei Jazzkoryphäen von der Spree. Um die Melodien Transsylvaniens und anderer rumänischer Regionen mit Blues, Soul, Jazz und Rock zu koppeln, angelte sich das Quartett den unorthodoxen Pultmeister Ian Brennan (Tinariwen, Zomba Prison Project, TV On The Radio). In spontanen Sessions im Gebirge entstanden 15 Songs, die an eine tiefe Schicht osteuropäischen Seelenlebens rühren und zugleich vollgesogen sind mit den Topoi der modernen populären Musik. ZMEI3 singen von einer Hippie-Enklave am Schwarzen Meer, künden vom Schmerz der Immigranten, blicken zurück auf die bedrückende Zeit der rumänsichen Diktatur und preisen die Widerstandskämpfer. Doch auch die Liebe kommt mit zu Herzen gehenden Balladen nie zu kurz. Anklänge an Pink Floyds Psychedelik und an Led Zeppelins Rockdramatik verbrüdern sich mit der Atmosphäre von Dorftänzen, alten Bukarester Stadtliedern und Sinti Swing. ZMEI3s Verse des Widerstands, der Unterdrückung und der Immigration, über Liebe, Tod und Einsamkeit schaffen mit dem Vokabular aus rumänischer Vergangenheit, aus Blues, Rock und Jazz einen neuen Balkan-Soul, der wie süßes Gift unter die Haut kriecht.
 

Six Degrees & Exil present: Karsh Kale

karshUP

Fünfter Meisterstreich des indo-amerikanischen Webschiffchens

(27.05.2016)

Wenn das vielzitierte Wort "Weltbürger" bei irgendeinem Musiker Sinn ergibt, dann bei ihm. Karsh Kale (sprich: körsch-ka-LEH) ist seit 20 Jahren als menschliches Webschiffchen zwischen Indien, Großbritannien, West- und Ostküste der Staaten unermüdlich im Einsatz und verzahnt indische Traditionen mit westlicher Popmusik. Für fünf Jahre hat der Großmeister des globalen Pop eine Pause von eigenen Veröffentlichungen eingelegt. Nicht um untätig zu bleiben: Er legte für Barack Obama im Weißen Haus Platten auf, produzierte das letzte Album des chiensischen Superstars Sa Ding Ding und nahm an einem großen George Harrison-Tribut teil. Jetzt offenbart er uns sein neues Opus: UP ist ein fantastisches Manifest für all diejenigen, die in turbulenten Zeiten einen neuen musikalischen Heimatbegriff suchen.
In den elf Songs besinnt er sich zurück auf seine Idole, die Fusionformation Shakti und Led Zeppelin. Er bringt mit dem E-Gitarristen Warren Mendonsa den Dialog zwischen indischen Roots und westlichen Rockklängen in selbstverständlichen Einklang, arbeitet mit den indischen Vokalisten Bebby Dayal und Monali Thakur. Und er huldigt dem Gott Shiva und Bruce Lee gleichermaßen in fantastischen Soundscapes. Als Kuriosum im Repertoire von UP steht ohne Zweifel "Play", ein sehr tablatronischer Remix eines Tracks aus SA DING DINGs Opus Butterfly Dream. Karsh Kales fünftes Opus UP präsentiert den wichtigsten Vermittler zwischen Indien, Amerika und Europa auf neuen Gipfeln der Inspiration - mit packender Rock-Epik und elektronisch veredelten Wurzeln des Subkontinents.

 

Cumbancha presents: Francesca Blanchard

BlanchardDeux Visions

Zauberhaftes Zwiegesicht

(27.05.2016)

Eine genauso unbeschwerte wie grandiose Mittlerin zwischen französischem Chanson und anglo-amerikanischem Folk und Jazz, zwischen Norah Jones und Carla Bruni und den vielen Farbtupfern dazwischen ist die 24-jährige Francesca Blanchard. Das zweisprachige Debüt der Tochter eines Franzosen und einer Amerikanerin steckt voll zauberhafter kleiner Momente. Aufgewachsen am Mittelmeer, dann mit ihren Eltern auf Reisen von Guatemala bis Indien und schließlich ankommend in der neuen Heimat Vermont hat die junge Dame mit der warmen Stimme überall offenen Herzens alle möglichen Einflüsse auf sich wirken lassen. Ihren ersten Longplayer rief sie mit einem Doppelgespann von Könnern aus dem benachbarten Montreal ins Leben: Am Pult standen Chris Velan (Sierra Leone Refugee All Stars) und sein Kollege Jean Massicotte (Lhasa de Sela, Arthur H). Das Logbuch zwischen Americana, Indierock und französischem Chanson charakterisiert Francesca Blanchard selbst wie folgt: »Es ist zugleich einebittersüßer Lobgesang und ein herzlicher Willkommengruß.» Auch der Titel spiegelt die Zweigesichtigkeit des Œuvres wider: Deux Visions („zwei Sichtweisen») steht für den bilingualen Ansatz, den anglo-französischen Charme der Songs. Und der zieht sich durch alle 12 Tracks dieses feinen Debüts: Der Opener „Rame» ist von einer geheimnisvollen Melancholie durchwoben, durch die Lap Steel-Gitarre erhält er einen Country-Touch, in „Le Blues» reflektiert Francesca zu federndem Fingerpicking über ihre Kindheit. Ummalt von einem warmen Kammerstreicherarrangement überwältigt die Tiefe der Pianoballade „Home Is A Cage», und im rockigen Walzer „Wanderer» porträtiert sie sich selbst. Die leichtfüßige Stimmung der Chansonwelt entfaltet sich in der Miniatur „Tu N’Existe Pas», in „Pas D’Sa Faute», skizziert sie augenzwinkernd und mit launiger Horn Section das Leben einer Prostituierten in Paris. Das Finale gehört der ergreifenden Folkballade „The Sea» für einen ertrunkenen Freund. Mit seiner zweisprachigen Farbgebung und dem federleichten Seiltanz zwischen französischem Liedgut und den Folkgeschichten der neuen Welt hat die junge Vermonterin ein genauso berührendes wie verblüffendes Debüt vorgelegt.        

 

Six Degrees and Exil present: Céu

CeuTropix

Mit der brasilianischen Popprinzessin in die Pixelwelt
(01.04.2016)

CEU: Diese drei Buchstaben stehen seit zehn Jahren für eine der aufregendsten Stimmen aus der kreativen Soundschmiede Brasilien. Mit ihrem vierten Studioalbum legt São Paulos Pop-Prinzessin den Hebel um und erfindet sich komplett neu. Wo früher psychedelische Gitarren, Dub, Samba und Funk-Anleihen regierten, residiert die raffinierteste Songmagierin der Megapolis nun in einer Welt voll rhythmischer Keyboards und straighter Beats. Die Historie des  Elektro-Pop von Kraftwerk und Giorgio Moroder bis Daft Punk vermählt Céu mit grandiosen, erhabenen, verträumten Melodien zu einem der packendsten Global Pop-Alben des frühen 2016. Mit dem Franzosen Hervé Salters (General Elektriks) und Brasiliens Star-Pultmeister Pupillo entsteht eine elektrisierende Spannung zwischen der kühlen Atmosphäre der Produktion und der sinnlich aufgeladenen Vocal-Eleganz. Märchen über das Unsichtbar-Sein, Erinnerungen an Strandtage und die Wehmut eines Fado paaren sich mit Disco-Refrains und rhythmischen Keyboardgewittern, sirenenhaft geschichtete Stimmen mit fiepend-flubbernden Arpeggiator-Sounds, Synth-Beats à la Kraftwerk mit süffigen Streichern. Mit der Popprinzessin ins Pixel-Universum: Céus bislang zwingendste Ohrwürmer fügen sich zu einem süchtig machenden Mosaik aus Melancholie und Maschinen. 

 

Putumayo presents: Jazz Café

Jazz CafeDer Jazz trifft die Farben der Welt: Swingendes von Seattle bis Senegal  
(01.04.2016)

Die Café-Serie ist eines der erfolgreichsten Kapitel der Putumayo-Historie. Mit dem bunten Label durften wir schon in Frankreich, Italien, Brasilien und Kuba bei einem klangvollen Tässchen verweilen. Nun tauchen die New Yorker in nächtliche Athmosphäre ab: Jazz Café führt uns im schummrigen Licht eine zwanglose und entspannte Vermählung swingender Sounds mit brasilianischen und kubanischen Rhythmen vor Ohren, von Jazzstandards mit mediterranem Manouche, arabischer Würze und schwedischer Sommerlaune.

Mit dabei ist dieses Mal ein Gewächs aus unseren Landen, Lisa Bassenge, die Hildegard Knef ein beschwingtes Tribut zollt. Die brasilianische Combo Delicatessen betupft Count Basie und Nina Simone mit Bossa, und auch die Bahianerin Rosa Passos koppelt die Rhythmen der Jugend Rios mit der amerikanischen Schwester. Der Senegalese Alune Wade und der Kubaner Harold López-Nussa verbeugen sich vor einem Meister des algerischen Chansons. Latinflair weben die Kubanerin Niuver und die Mexikanerin Amanda Martinez in die jazzige Grundstimmung. Django Reinhardt-Farben kommen bei Pearl Django aus Seattle ins Spiel, während Lee Dorsey und Eden Brent das Erbe von New Orleans pflegen. Irina Björkl und und Peter Fox entführen uns auf eine schwedische Insel, und Dick Sudhalter holt einen vergessenen Klassiker von Hoagy Carmichael aus der Schublade. Von der Crescent City bis Paris, von Seattle bis Bahia: Dieses Jazzcafé könnte an den verschiedensten Schauplätzen stehen und lädt den kosmopoltischen Nachtclubber zum gepflegten Verweilen ein.


 

Szenario Arts & Exil present: La Caravane Passe Caravane

Canis Carmina

Singende Hunde für die Vielfalt
(05.02.2016)

Wie keine andere europäische Band verzahnen sie Akustik und Elektronik, die Archaik der Wohnwagen und die digitalen Segnungen und Flüche untrennbar miteinander. Dafür bedient sich das Quintett um den charismatischen Sänger Toma Feterman bei Ska, Punk, Surfrock, Disco, Chanson und dem großen Setzkasten der Balkantraditionen. La Caravane Passe (LCP) leben in lustvoller Akustik das Paradoxon eines mythischen Nomadentums in einer aufs Engste vernetzten Welt aus. Mit dem Titel ihres fünften Albums nehmen sie ihr Nomadentum auf aktuellem politischen Hintergrund unter die Lupe: "Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter" - das arabische Sprichwort spiegelt auch den Flüchtlingsstrom wider: Ganz gleich, wie widrig und feindselig die Umstände sein werden, die Migranten lassen sich dadurch einfach nicht stoppen. Die verrückte Gypsy-Combo aus Paris nimmt nun selbst den Platz der Hunde am Wegesrand ein - doch sie bellen nicht, sie singen für die Neuankömmlinge: Canis Carmina (Hundegesang) ist eine in zehn Songs gefasste Willkommenskultur der ganz eigenen Art.

Da ist neben dem Auftaktsstück, dass den singenden Vierbeiner rappend porträtiert, zum Beispiel die kantige Nummer "Klaxon Of A Bip" mit brüllendem Blech und waidwundem Saxophon. Garniert mit pickendem Banjo erzählt Feterman zusammen mit seinem long time companion RACHID TAHA in "Baba" als jüdisch-arabisches Migrantentreffen, dass man nicht nur in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten soll, sondern seinen eigenen Weg finden kann. In "Barmaid" sucht Feterman mit seiner Combo sowohl Trost bei einem geistvollen Tropfen als auch bei der Bardame Maria. Doch der Halt ist kurz, es geht direkt weiter in einer Art balkanischen Surfrock quer durch die Wüste in "La Traversée Du Désert". Ein Ausflug tief in die Welt der Rumba Gitan hinein steht mit "Joselito" auf dem Programm der Reiseroute. Und wie schon auf früheren Alben schließt sich dann eine noch tanzbarere Sequenz an, in der sich mit DJ Click, Tom Fire, DJ Tagada und S.O.A.P. Pult-Koryphäen an neue Remixe von Perlen aus der LCP-Historie gewagt haben.  

 

Cumbancha presents: Idan Raichel

IdanAt The Edge Of The Beginning

Neustart im Alleingang
(29.01.2016)

Von der Rastamähne zum kahlgeschorenen Kopf, vom Kosmopoliten zum Familienmensch, von breitwandigen Arrangements zur Intimität am Piano: Viel hat sich in Idan Raichels Vita während der letzten Jahre verändert. Der neue Lebenswandel des Vaters zweier kleiner Töchter schlägt sich nun auch in einer anderen Klangphilosophie nieder: Das reduziert gehaltene, neue Werk At The Edge Of The Beginning, quasi im Alleingang eingespielt, markiert einen introspektiven Neustart des sanftmütigen Israeli mit einem bewegenden Songzyklus. Der Rückzug spiegelt sich in den durchgängig sparsamen Arrangements wider, die Raichel, sein einfühlsames Piano und seine sanfte Stimme in den Mittelpunkt stellen. Auch die Aufnahmeumgebung wählte er mit dem Keller seines Elternhauses denkbar intim, kehrte zu seinen Ursrpüngen, zu einem Ort von Geborgenheit und Unschuld zurück.

Raichel entschied sich, so viele Instrumente wie möglich im Alleingang einzuspielen, bis hin zu den Drums, an die er sich das erste Mal selbst wagte. Genauso persönlich wie Setting und Musik sind auch die Texte über seine Familie und das Sesshaftwerden, zeigen ihn als Erzähler in melancholischen und nostalgischen Balladen. Gezielt eingesetzte rockige Gegenakzente beleben das Repertoire. Gastauftritte gibt es lediglich von der Sängerin Dana Zalah und dem marokkanischen Gnawa-Musiker Hassan Hakmoun. Raichels Orientierung hin zum Reduzierten, die Erforschung seines Innenlebens macht aus At The Edge Of The Beginning eine bewegende Hörerfahrung.

 
Sounds:

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